Wann eine Haartransplantation sinnvoll ist – und wann auf keinen Fall

Zuletzt aktualisiert: Oktober, 2019

Haartransplantation

Haartransplantationen sind ein weit verbreiteter Eingriff. Allein in Deutschland wird er jährlich von tausenden Menschen in Anspruch genommen. Bevor Sie jedoch mit dem Gedanken spielen, es diesen Menschen nachzumachen, sollten Sie wissen, dass eine Haartransplantation bei weitem nicht für die Behandlung jedes Haarausfalls geeignet ist.

Wann eine Haartransplantation Sinn macht, wie die Voraussetzungen samt entsprechender Erwartungshaltung aussehen und was es sonst noch rund um den Eingriff zu wissen gilt, erfahren Sie in diesem Artikel.


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So wird eine Haartransplantation vorbereitet

Vor der Haartransplantation findet ein ausführliches Gespräch zwischen Ihnen und dem durchführenden Arzt statt. In diesem wird er Ihnen den Transplantationsvorgang erläutern, Sie über die Erfolgsaussichten und möglichen Risiken aufklären und Ihnen relevante medizinische Fragen stellen. Außerdem werden Messungen durchgeführt, die als Grundlage genommen werden, um Ihnen das zu erwartende Resultat möglichst präzise mitteilen zu können.

Sollten Sie im Anschluss an das Gespräch davon überzeugt sein, die Haartransplantation durchführen zu lassen, so erfolgt eine offizielle Einverständniserklärung.

Wie werden die Haare für die Transplantation gewonnen?

Die zu transplantierenden Haare werden je nach Methode und Möglichkeiten von Ihrer Kopfhaut, Ihren Wimpern oder Ihrem Bart entnommen. Dafür gibt es zwei Methoden: FUE und FUT. FUE (Follicular Unit Extraction) ist die neuere und sieht die Entnahme einzelner Haarwurzeln samt Haaren an geeigneten Stellen vor, die im Anschluss an den betroffenen Stellen eingesetzt werden.

Während der Methode FUT (Follicular Unit Transplantation) wird Ihnen wiederum ein ganzer Hautstreifen mit Haaren entnommen, der dann in einzelne funktionierende Wurzeln aufgeteilt wird.

Dies geschieht meist am Hinterkopf, da der dortige Haarwuchs am besten für die Entnahme geeignet ist. Alle Details und eine Gegenüberstellung zwischen FUE und FUT finden Sie hier.

Wie funktioniert das Einsetzen der Haare?

Für das Einsetzen der Haare werden auf Ihrem Kopf entweder mit einem Mikrobohrer oder einem kleinem Messer winzige Öffnungen angelegt, in welche die Haare eingesetzt werden. Hierbei achtet das Operationsteam darauf, die Öffnungen je nach gewünschter Wuchsrichtung vorzunehmen und eine optimal versetzte Verteilung dieser vorzunehmen. Somit wird eine natürlich wirkende Ästhetik des neuen Haarwuchses ermöglicht.

Können durch eine Haartransplantation Komplikationen entstehen?

Diesbezüglich können Sie ganz entspannt sein. Mit der Ausnahme von Rötungen auf der Kopfhaut und einem gewöhnungsbedürftigen Gefühl innerhalb der ersten Tage gelten Haartransplantationen als komplikationsfrei.

Dennoch wird Ihnen, je nach Transplantationsverfahren, eine bestimmte Ruhezeit empfohlen, in der schwerwiegende körperliche Tätigkeiten vermieden werden sollten.

Tipp

Minoxidil und Finasterid zählen zu den den wissenschaftlich nachgewiesenen Wirkstoffen gegen Haarausfall. Zu anderen „Heil- und Wundermitteln“, gibt es kaum wissenschaftliche Studien.

Wann wird eine Haartransplantation eingesetzt?

Am häufigsten findet die Haartransplantation Anwendung zur Behandlung von hormonell bedingtem Haarausfall. Diese Form des Haarausfalls wird durch eine überempfindliche Reaktion der Haare auf das Hormon Dihydrotestosteron, oder kurz DHT, ausgelöst.

Besonders häufig betroffen sind davon die Herren der Schöpfung. Sollten Sie also nach einer fachmännischen Untersuchung Ihres Haarausfalls mit einem hormonell bedingtem Haarausfall diagnostiziert worden sein, ist eine Haartransplantation grundsätzlich zunächst eine überlegenswerte Möglichkeit, diesen zu behandeln. Allerdings gibt es noch weitere Aspekte, die Sie vor dieser Entscheidung bedenken müssen. Später dazu mehr.

Ein weiterer Anwendungsbereich für Haartransplantationen besteht in Fällen von Haarausfall, bei denen eine Verletzung, Krankheit oder vergleichbares den Auslöser darstellt.

Wann wird eine Haartransplantation in Betracht gezogen?

Damit eine Haartransplantation in Erwägung gezogen werden kann, muss bei Ihnen zunächst ein Fall von irreversiblem Haarausfall, wie etwa den obig genannten Fällen, vorliegen.

Außerdem wenden Ärzte im Regelfall erst eine Behandlung mit Präparaten wie z.B. Finasterid und Minoxidil an. Erst wenn diese nicht anschlagen sollte, wird über eine Transplantation nachgedacht. Bei Männern wird zusätzlich häufig abgeraten, eine Transplantation vor dem 35. Lebensjahr durchzuführen, da erst dann der hormonell bedingte Haarausfall zum Stehen kommt.

Wer darf eine Haartransplantation vornehmen?

In Deutschland gibt es eine ganze Reihe an Voraussetzungen, die ein Arzt erfüllen muss, um zur Durchführung einer Haartransplantation berechtigt zu sein. Da wäre zunächst die fachliche Anerkennung innerhalb eines operativen Tätigkeitsbereich, wie sie u.a. Chirurgen, HNO-Ärzte und Gynäkologen besitzen.

Weiterhin ist die Absolvierung eines entsprechenden Kurses samt praktischer Tätigkeit als Gastarzt bei einem Spezialisten Pflicht. Darüber hinaus wird nahe gelegt, dass mindestens ein OP-Assistent in der jeweiligen Einrichtung über entsprechende Erfahrung verfügt.

Was wirkt wirklich gegen Haarausfall? Wissenschaftlich erwiesene und geprüfte Wirkstoffe sind Finasterid und Minoxidil. Auch Studien zu Zink sind vielversprechend. Sie können die Studien zu den Stoffen nachlesen – wir haben den aktuellsten Stand der Forschung für Sie zusammengetragen.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer Haartransplantation?

Das Ausmaß des Endresultates, welches Sie sich nach einer Haartransplantation ausmachen können, hängt überwiegend von der Anzahl und Dichte der für das Verfahren zur Verfügung stehenden Haare ab. Außerdem muss diesbezüglich gesagt werden, dass jeder Körper ein wenig anders funktioniert und daher eine ungewöhnliche (aber gänzlich ungefährliche) Reaktion auf das Verfahren nicht ganz ausgeschlossen werden kann.

Weiterhin können einige Umstände die Erfolgschancen ein wenig lindern. Dies ist beispielsweise bei Rauchern und Diabetikern der Fall. Stehen genug Haare zur Verfügung, stehen die Chancen auf ein zufriedenstellendes Ergebnis in jedem Fall grundsätzlich sehr hoch. Sie werden über die Erfolgsaussichten auch noch einmal im Detail in dem der Transplantation vorangehenden Gespräch aufgeklärt.

Was kostet eine Haartransplantation?

Die Kosten, die bei einer Haartransplantation auf Sie zukommen, hängen hauptsächlich von davon ab, für welche Behandlungsmethode Sie sich entscheiden. Die FUT-Methode schlägt hier mit einer möglichen Preisspanne von etwa 2000,- bis 5000€ zu buche. Höhere Kosten erwarten Sie bei einer FUE-Behandlung – hier liegt das Preisspektrum etwa zwischen 4000,- und 7500€.

Im Falle eines hormonell bedingten Haarausfalls können Sie leider damit rechnen, dass Ihre Krankenkasse die Kosten für die Behandlung nicht übernimmt. Sollte Ihr Haarausfall als Folge einer Hauterkrankung oder Verletzung auftreten oder nachweisbar eine schwere psychische Belastung für Sie darstellen, stehen die Chancen etwas besser, dass die Krankenkassen Ihre Kosten übernehmen – rechnen sollten Sie damit aber auch in diesem Fall nicht.

Autor: Peter KleinHaarausfall Selbsthilfe Interessengemeinschaft